{"id":46,"date":"2015-10-01T20:52:49","date_gmt":"2015-10-01T18:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/test.feuerwehr-sevelen.de\/?p=46"},"modified":"2023-09-12T21:08:55","modified_gmt":"2023-09-12T19:08:55","slug":"belastung-einsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.feuerwehr-sevelen.de\/?p=46","title":{"rendered":"Belastungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"item-page\">\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Belastungen im Feuerwehreinsatz<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Vielzahl unserer Eins\u00e4tze sind &#8222;Alltagsgesch\u00e4ft&#8220;. Kleinigkeiten wie brennende M\u00fcllcontainer oder Autos, vielleicht der Alarm einer automatischen Brandmeldeanlage (z.B. in Firmen). Die sind schnell abgearbeitet und gelten nicht wirklich als belastend. Doch es gibt andere Eins\u00e4tze, die sind anstrengend: F\u00fcr K\u00f6rper und Seele. Manchmal f\u00fchrt es so weit, da fragen wir uns: Warum machen wir das alles? Und trotzdem packen alle beim n\u00e4chsten Mal wieder mit an. Helfen ist nicht nur einfach Hobby &#8211; es ist vor allem eine Herausforderung. Jedes Mal auf&#8217;s Neue.<\/p>\n<p>Eins\u00e4tze gehen, die Bilder in der Seele bleiben<\/p>\n<p>Bei der Feuerwehr gibt es keine &#8222;abgebr\u00fchten Hardliner&#8220;. Fr\u00fcher galt es als stark, belastende Erfahrungen einfach wegzustecken, dar\u00fcber nie mehr zu sprechen. Heute sind die Einsatzkr\u00e4fte schlauer. Wer es nicht schafft, mit den schlimmen Eindr\u00fccken umzugehen, kann seelisch schwer krank werden (posttraumatische Belastungsreaktionen). Es gab in den vergangenen Jahren mehrere F\u00e4lle in Deutschland, in denen Einsatzkr\u00e4fte mit dem Erlebten nicht mehr fertig wurden &#8211; und nur den Freitod als erl\u00f6sende Hilfe empfanden.<br \/>\nIm Einsatz m\u00fcssen die Feuerwehrleute handeln, m\u00f6glicherweise im Kampf um Menschenleben besonders schnell. Hier bleibt so gut wie keine Zeit zum Nachdenken. Erst zu Hause, nach dem Einsatz, wenn die Ruhe wiederkehrt, beginnt das Gr\u00fcbeln. Auf einmal kommend qu\u00e4lende Gedanken auf: &#8222;Irgendjemand wird heute die Nachricht \u00fcber den Tod eines lieben Menschen bekommen.&#8220; &#8222;Ob das Unfallopfer noch etwas mitbekommen hat?&#8220; &#8222;W\u00e4re der nur nicht so schnell gefahren.&#8220; &#8222;Waren wir schnell genug?&#8220; &#8222;Warum hatten die nur keine Rauchmelder, die k\u00f6nnten noch leben!&#8220;<br \/>\nFeuerwehrleute m\u00fcssen \u00fcber das Erlebte sprechen. In erster Linie kommt es zu einer Verarbeitung durch Gespr\u00e4che mit den Kameraden. Diese Gespr\u00e4che sind &#8211; f\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden unverst\u00e4ndlich &#8211; oft mit einer Portion &#8222;Galgenhumor&#8220; (ironische Witze) &#8222;gew\u00fcrzt&#8220;. Das ist eine Art Schutzfunktion, um die Ereignisse nicht zu pers\u00f6nlich zu nehmen. In den \u00fcberwiegenden F\u00e4llen kannten die Einsatzkr\u00e4fte das Opfer nicht. Und so f\u00e4llt es leichter, mit dem Erlebten umzugehen. Wesentlich schwieriger wird die Verarbeitung, wenn Kinder, Jugendliche, oder Bekannte zu den Opfern geh\u00f6ren.<br \/>\nGespr\u00e4che im Familien- oder Freundeskreis finden nur wenig statt. Die k\u00f6nnen auch nicht die Kommunikation mit den Feuerwehrkameraden ersetzen. Denn zum einen sollte nicht jedes grausame Detail eines Ungl\u00fccks in die \u00d6ffentlichkeit dringen, zum anderen fehlt Unbedarften oft das Verst\u00e4ndnis \u00fcber den Gespr\u00e4chsbedarf. Auf gut Deutsch: Viele wollen das gar nicht h\u00f6ren, um sich selbst nicht zu belasten. Feuerwehrleute f\u00fchlen sich in der Folge oft missverstanden.<br \/>\nDeshalb stehen im Kreis Kleve seit einigen Jahren auch Einsatzkr\u00e4ften die Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit mit Helfern der Notfallseelsorge zur Verf\u00fcgung. Diese geschulten Fachleute, \u00fcberwiegend Geistliche, betreuen nicht nur geschockte Opfer und Hinterbliebene. Auch die Helfer k\u00f6nnen dieses Angebot rund um die Uhr annehmen. Dabei kann die Feuerwehrf\u00fchrung die Hilfe vermitteln, doch auch das einzelne Mitglied kann (ohne das Wissen der Kameraden), die Notfallseelsorger ansprechen (die Kontaktdaten sind bei der Rettungsleitstelle hinterlegt, die Disponenten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet). Die Notfallseelsorger nehmen sich vor allem Zeit, den einzelnen Helfern zuzuh\u00f6ren. Nach dem Einsatz, wenn jeder nach Hause will oder muss, ist diese Zeit oft nicht vorhanden&#8230;<\/p>\n<p>Erlebnisse, die im Ged\u00e4chtnis bleiben:<\/p>\n<p>entsetzlich verst\u00fcmmelte oder verbrannte Menschen<\/p>\n<p>R\u00fcckenschild auf derWeste eines Notfallseelsorgers<\/p>\n<p>sterbende Menschen<\/p>\n<p>erfolglose Reanimation von Kindern und Erwachsenen<\/p>\n<p>verzweifelte, weinende Menschen, die einen Menschen, oder das gesamte Hab und Gut verloren haben<\/p>\n<p>Eins\u00e4tze, bei denen die eigene Gesundheit auf dem Spiel steht<\/p>\n<p>Eins\u00e4tze, bei denen Bekannte oder Kameraden zu Schaden kommen<\/p>\n<p>Selbstmord<\/p>\n<p>die Tatsache, dass trotz schnellen Einsatzes die Hilfe zu sp\u00e4t kommt<\/p>\n<p>M\u00fcde, verschmutzt und mit den Kr\u00e4ften am Ende<\/p>\n<p>In dem Moment, in dem Piepser bei den freiwilligen Feuerwehrleuten ausl\u00f6sen, wei\u00df keiner der Helfer, was ihn erwartet. Eine Kleinigkeit, oder ein Gro\u00dfbrand, ein kurioser Einsatz oder ein tragischer Unfall. Ganz gleich in welcher Situation der Alarm das Feuerwehrmitglied erreicht (Schlaf, Arbeit, Freizeit), er muss binnen weniger Minuten am Feuerwehrhaus sein, die Schutzkleidung anlegen und gemeinsam mit den Kameraden mit den Einsatzfahrzeugen ausr\u00fccken. So kann es sein, dass der oder die Einzelne vor sieben Minuten noch im Tiefschlaf im Bett lag und jetzt unter Atemschutz in einem brennenden Geb\u00e4ude arbeitet&#8230;<\/p>\n<p>Vor allem n\u00e4chtliche Eins\u00e4tze belasten, besonders dann, wenn schon in den N\u00e4chten davor die Hilfe der Feuerwehr gefordert war. Und meist m\u00fcssen die Einsatzkr\u00e4fte nach dem n\u00e4chtlichen Einsatz ganz normal zur Arbeit.<br \/>\nEin Dankesch\u00f6n h\u00f6ren Feuerwehrleute \u00fcbrigens ausgesprochen selten. Oft handelt es sich zudem um &#8222;unspektakul\u00e4re&#8220; Eins\u00e4tze, die nicht einmal in der Lokalzeitung erw\u00e4hnt werden. Gelegentlich h\u00f6ren Feuerwehrleute sogar noch dumme Spr\u00fcche, etwa von Autofahrern die sich \u00fcber einen Umweg \u00e4rgern, den sie wegen einer abgesperrten Stra\u00dfe fahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Je nach Einsatzart geht es nach Ende der L\u00f6sch-, Rettungs-, oder Bergungsarbeiten nach Hause: Verschwitzt, verdreckt, abgek\u00e4mpft. Zur\u00fcck aus einer v\u00f6llig anderen Welt in das geregelte Familien- und Arbeitsleben. Und nach dem Duschen steckt das Feuerwehrmitglied seinen Piepser wieder an den G\u00fcrtel, denn nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz&#8230;<br \/>\n\u00dcbrigens: Auch die Angeh\u00f6rigen und Freunde eines Feuerwehrmitglieds m\u00fcssen mit der besonderen Aufgabe leben. So werden bei n\u00e4chtlichen Eins\u00e4tzen meist auch die Partner-\/ innen der Feuerwehrm\u00e4nner und -frauen durch den Alarm geweckt und so mancher Kino- oder Partybesuch endet ebenfalls mit einem Funkalarm. Die jederzeitige Verf\u00fcgbarkeit verlangt gelegentlich gro\u00dfe Opfer und Verst\u00e4ndnis- nicht nur vom Feuerwehrmitglied selbst, sondern gerade von seinem sozialen Umfeld.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belastungen im Feuerwehreinsatz Die Vielzahl unserer Eins\u00e4tze sind &#8222;Alltagsgesch\u00e4ft&#8220;. Kleinigkeiten wie brennende M\u00fcllcontainer oder Autos, vielleicht der Alarm einer automatischen Brandmeldeanlage (z.B. in Firmen). Die sind schnell abgearbeitet und gelten nicht wirklich als belastend. Doch es gibt andere Eins\u00e4tze, die sind anstrengend: F\u00fcr K\u00f6rper und Seele. 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