{"id":45,"date":"2015-10-01T20:51:32","date_gmt":"2015-10-01T18:51:32","guid":{"rendered":"https:\/\/test.feuerwehr-sevelen.de\/?p=45"},"modified":"2022-08-29T16:54:35","modified_gmt":"2022-08-29T14:54:35","slug":"feuerwehreinsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.feuerwehr-sevelen.de\/?p=45","title":{"rendered":"Feuerwehreinsatz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Wie ein freiwilliger Feuerwehrmann einen Einsatz erlebt<\/strong><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Am Beispiel eines realen Einsatzes, in diesem Fall bei einem Verkehrsunfall, m\u00f6chten wir schildern, wie ein Feuerwehrangeh\u00f6riger einen Einsatz erleben kann. Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme aus einem Einsatzgeschehen. Jeder Einsatz f\u00e4llt unterschiedlich aus, jedes Mitglied erlebt Eins\u00e4tze unterschiedlich. Lediglich die Rahmenbedingungen sind immer dieselben.<\/p>\n<p>Das markdurchdringende Alarmsignal des Piepers am G\u00fcrtel l\u00e4sst mich zusammenzucken. Schon an der Tonfolge und der abgespielten Schleifen kann ich erkennen: Das ist was Gr\u00f6\u00dferes. &#8222;Bestimmt ein Verkehrsunfall&#8220;, durchf\u00e4hrt es mich. Denn gerade eben hatte ich in der Ferne Fahrzeuge mit Sondersignal geh\u00f6rt. Polizei oder Rettungswagen vermutlich. Es ist ein regnerischer Montagmorgen, etwa 6.20 Uhr. Vor wenigen Sekunden hatte ich meine Wohnung in Richtung Arbeitsstelle verlassen und war ins Auto eingestiegen. Die Zeitung unterm Arm, die Gedanken beim geplanten Tagesablauf.<br \/>Jetzt denke ich nur noch an eines: Zum Feuerwehrhaus fahren, so schnell wie m\u00f6glich. Der Motor heult auf, ein kleiner Kavaliersstart. &#8222;Hier Florian Kleve, Einsatz f\u00fcr die L\u00f6schz\u00fcge Issum und Sevelen sowie RTW und Notarzt Geldern: Verkehrsunfall, eingeklemmte Person&#8220;, quakt die Funkdurchsage aus meinem Meldeempf\u00e4nger. Ich hatte leider Recht. Gem\u00e4chlich radelt vor mir eine Radfahrerin her. Sie kann nat\u00fcrlich nicht Wissen dass ich es eilig habe. Ich \u00fcberhole die Radfahrerin, sehe im R\u00fcckspiegel das Kopfsch\u00fctteln der Frau, die die kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr meine \u00fcbertriebene Eile hat. Weiter geht&#8217;s in Richtung Feuerwehrhaus.<br \/>Zwei Minuten sp\u00e4ter treffe ich auf dem Parkplatz der Feuerwehr ein, zeitgleich flitzt ein weiterer Kamerad mit seinem Wagen heran. &#8222;Was liegt an?&#8220; ruft er, w\u00e4hrend er den Buzzer dr\u00fcckt, der die Tore \u00f6ffnet. Er hatte die Durchsage nicht verstanden. &#8222;VU, Person eingeklemmt&#8220; rufe ich zur\u00fcck. Die Angabe ist wichtig um sich auf die Situation entsprechend einstellen zu k\u00f6nnen. Ich ziehe die \u00fcber die Stiefel gekrempelte Einsatzhose hoch, schwinge mich in die blaue Feuerwehrjacke, Helm und Sicherheitsgurt nehme ich vom Haken und laufe zum ersten Fahrzeug. Inzwischen eilen aus allen Richtungen die Kameraden \u00fcber den Hof. Ich steige in die Kabine des Feuerwehrwagens und schalte das Funkger\u00e4t ein. &#8222;Florian Kleve, von Florian Kleve 5-44-3, Frage Einsatzort&#8220;, funke ich zur Leitstelle. &#8222;Hier Florian Kleve, 5-44-3, sie fahren B 58 Richtung Aldekerk, H\u00f6he Gro\u00dfholthuysen VU, Person eingeklemmt. Pkw frontal gegen Lkw.&#8220; Ich melde, dass ich den Einsatzort verstanden habe und dass das Fahrzeug ausr\u00fcckt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Alarm noch keine drei Minuten her. &#8222;Das klingt nicht gut&#8220;, denke ich. Ein Pkw-Fahrer hat meist wenige Chancen, wenn sein Wagen gegen einen tonnenschweren Lastwagen prallt.<br \/>Der erste Wagen rollt vom Hof, die Blaulichter zucken auf, das Martinhorn ist auch im Innern des Wagen h\u00f6llisch laut. Verschreckt weichen die Fahrzeuglenker vor uns zur Seite aus, eine Mutter h\u00e4lt ihrem Kind die Ohren zu. &#8222;Arm runter!&#8220; schimpft der Fahrer, als es auf eine Kreuzung mit roten Ampeln zugeht. Ich hatte versucht w\u00e4hrend der hektischen Fahrt mich an einem Griff festzuhalten &#8211; dummerweise versperrt das aber den seitlichen Blick f\u00fcr den Kameraden. Da sehe ich die Frau auf dem Fahrrad, die ich auf dem Weg zum Feuerwehrhaus \u00fcberholte- wiederum nur kopfsch\u00fctteln. W\u00e4hrend der Fahrt ziehen wir uns Einweghandschuhe aus Latex \u00fcber. Eine Vorsichtsma\u00dfnahme. Bei einem Unfall kommen wir leicht mit dem Blut von Verletzten in Ber\u00fchrung. M\u00f6gliche Infektionen sollen so verhindert werden.<br \/>Nach knapp einer Minute Fahrt sehen wir vor uns den Verkehr stocken. Bremslichter, Blaulichter. Da ist es. Ein Sattelzug scheint beteiligt zu sein. Wir ziehen mit dem Einsatzfahrzeug auf die leere Gegenfahrbahn bis unmittelbar zur Unfallstelle vor, vorbei an neugierig schauenden Autofahrern im Stau. &#8222;Das sieht nicht gut aus!&#8220; sage ich laut. Eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig. Wird die Feuerwehr zu einem Unfall gerufen, handelt es sich meistens um schwere Ungl\u00fccke.<br \/>Ein \u00e4lterer Golf ist mit der Fahrerseite gegen den Lastwagen geprallt und zusammengestaucht. Das Dach ist eingeknickt, die ganze Struktur verschoben. Glassplitter liegen rum, kleine Tr\u00fcmmerteile. Wir steigen aus, verschaffen uns einen ersten \u00dcberblick. Ein Rettungsassistent beugt sich zu dem bewusstlosen Fahrer ins Wrack, beatmet ihn mit einem Luftbeutel. Mir ist klar was das bedeutet: Der Mann schwebt in Lebensgefahr, aber es ist noch nicht zu sp\u00e4t. Die Atmosph\u00e4re ist gespenstisch. Nur der Motor unseres Feuerwehrwagens l\u00e4uft. Der Verkehr steht, Autofahrer recken neugierig ihre H\u00e4lse. Es ist, als h\u00e4tte jemand die Zeit mit einem Standbild angehalten. In der Ferne h\u00f6ren wir weitere Martinh\u00f6rner, die rasch lauter werden. Die Kollegen treffen mit dem n\u00e4chsten L\u00f6schfahrzeug ein, kurz darauf auch die Kameraden des L\u00f6schzug Issum.<br \/>Es beginnt eine Materialschlacht. Ger\u00e4teablagen werden aufgebaut und best\u00fcckt, die verunfallten Fahrzeuge werden gesichert und abgest\u00fctzt, die patientenorientierte Rettung kann beginnen. Fahrzeug und Fahrer sind \u00e4u\u00dferst ungeschickt unter dem Lastwagen eingeklemmt. Die noch vorhandenen Glasscheiben sowie gr\u00f6\u00dfere Splitter und Tr\u00fcmmerteile werden vorsichtig entfernt. Der Patient wird mit Folien und Decken durch Mitwirken des &#8222;inneren Retters&#8220; gesch\u00fctzt. Das Dach des Pkw wird mit der hydraulischen Schere abgetrennt, die T\u00fcren aufgespreizt. Alles in Absprache mit Notarzt und Rettungsassistenten. Klares Denken ist gefragt, es l\u00e4uft ein Kampf gegen die Zeit. Wo ist nur dieses Werkzeug? Was brauchen wir noch? Jetzt blo\u00df keinen Fehler machen. Beide L\u00f6schz\u00fcge arbeiten Hand in Hand und erg\u00e4nzen sich.<br \/>Eine weitere Rettungswagenbesatzung k\u00fcmmert sich um den geschockten Lastwagenfahrer, er wird vorsorglich ins Krankenhaus eingeliefert. Zeitweise wurde der Mann von einem Kameraden der Feuerwehr betreut bis der zweite RTW eintraf.<br \/>Zwischenzeitlich landet ein Rettungshubschrauber auf der angrenzenden Wiese. Nach \u00fcber eine Stunde ist es soweit: Der Verletzte kann, stabilisiert und an einem Rettungssystem fixiert aus dem Wrack gehoben werden. Vorsichtig lagern wir ihn auf eine Vakuummatratze, die unter anderem vor R\u00fcckenverletzungen sch\u00fctzen soll. Wie es ihm weiter ergehen wird, erfahren wir in der Regel nie.<br \/>Als der Rettungshubschrauber abfliegt, l\u00f6st sich die innere Anspannung. Es wird wieder gescherzt, Scherben zusammengekehrt, auslaufendes \u00d6l abgestreut. Nach der Bergung des Fahrzeugs durch ein Abschleppunternehmen geht es wieder zur\u00fcck zum Feuerwehrhaus. Ausziehen der Einsatzkleidung, Eintragen in die Einsatzliste und schnell wieder nach Hause. Zum zweiten Mal wird geht es an diesem Morgen unter die Dusche. Die vor wenigen Stunden frisch angezogene Kleidung landet im Schmutzw\u00e4schekorb. Anruf am Arbeitsplatz: &#8222;Ich hatte einen Einsatz und komme etwas sp\u00e4ter.&#8220; Die Kollegen kennen das schon und murren nicht. Sp\u00e4ter wollen sie kurz wissen, was denn passiert ist. Mit wenigen S\u00e4tzen fasse ich die Erlebnisse zusammen und beginne dann mit meiner Arbeit.<br \/>Zwar steckt einem der Einsatz und das damit verbundene Leid noch tief in den Knochen, aber man ist gl\u00fccklich und auch ein bisschen stolz, die Geschehnisse und damit das Leben eines Menschen positiv beeinflusst zu haben.<\/p>\n<p>Der Alltag geht weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein freiwilliger Feuerwehrmann einen Einsatz erlebt \u00a0 Am Beispiel eines realen Einsatzes, in diesem Fall bei einem Verkehrsunfall, m\u00f6chten wir schildern, wie ein Feuerwehrangeh\u00f6riger einen Einsatz erleben kann. Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme aus einem Einsatzgeschehen. Jeder Einsatz f\u00e4llt unterschiedlich aus, jedes Mitglied erlebt Eins\u00e4tze unterschiedlich. Lediglich die Rahmenbedingungen sind immer dieselben. 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